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Erste Hilfe für Fohlen

Leider kommt es immer wieder vor, dass eine Stute bei der Geburt ihres Fohlens stirbt. Um das Überleben des Fohlens zu sichern und ihm trotz ungünstiger Umstände einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, ist schnelle und effiziente Hilfe von Nöten!

Grundsätzlich bestehen folgende Möglichkeiten:

  • der Einsatz einer Ammenstute (Stute die ihr Fohlen verloren hat, über genügend Milch verfügt und das fremde Fohlen akzeptiert)
  • eingefrorene Kolostralmilch
  • Erstmaßnahmen durch den Tierarzt


copyright www.animalklick.atWarum ist rasche Hilfe so dringend notwendig?
Lebenswichtig für das Fohlen ist die Erstversorgung mit Kolostral- oder Biestmilch, da mit dieser Antikörper aufgenommen werden, die für das Fohlen lebenswichtig sind. Es kommt ohne Abwehrstoffe zu Welt, sein eigenes Immunsystem arbeitet nach der Geburt nur sehr eingeschränkt. Daher ist die Aufnahme der Biestmilch zwingend innerhalb von vierundzwanzig Stunden nach der Geburt notwendig, da nur in dieser Zeit die Antikörper die Darmwand passieren können. Stirbt die Stute im Zuge der Geburt oder besteht Unsicherheit, ob und wie viel Kolostralmilch das Fohlen aufgenommen hat, kann ein spezieller Bluttest (IgG-Antikörpertest) innerhalb kurzer Zeit den Gehalt der Antikörper im Blut des Fohlens feststellen.


Wie kann geholfen werden?

Fohlennotdienst- Ammendienst1. Ammendienst

In der Praxis zeigt sich, dass Adoptivstuten nicht immer gewillt sind, ein fremdes Fohlen anzunehmen. Daher ist es wichtig weitere Möglichkeiten in Betracht zu ziehen:

 

 

 


2. Kolostralmilch
Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die Aufnahme einer ausreichenden Menge antikörperreicher Kolostral- oder Biestmilch guter Qualität in einem definierten Zeitraum (in den ersten 12 - 18 Lebensstunden) den optimalen Schutz gegen Infektionskrankheiten bei neugeborenen Fohlen darstellt. Als Vorbeugemaßnahme für Notfälle sollte daher Biestmilch (gelbliche Farbe, klebrige Konsistenz) von gesunden Mutterstuten idealerweise in den ersten 6 Stunden nach dem Abfohlen abgemolken werden. Auszuschließen sind lediglich Stuten, die schon ein Fohlen mit Gelbsucht hatten. Es empfiehlt sich das Kolostrum in ¼-Liter-Portionen in der Tiefkühltruhe einzufrieren. Sofern die Kühlkette nicht unterbrochen wird, ist Kolostrum etwa 18 Monate im tiefgefrorenen Zustand haltbar (Gefäß beschriften!). Ein Fohlen braucht etwa einen dreiviertel bis einen Liter, wobei die Menge auch von der Qualität des Kolostrums abhängt. Man kann den Antikörpergehalt durch eine Messung mit dem Kolostrometer vor dem Einfrieren bestimmen. Mittels Messung mit Kolostrometer kann man auch bestimmen, ob das Abmelken einer Stute noch sinnvoll ist oder nicht. Nach 24 Stunden ist meist nur noch "normale" Milch vorhanden. Die gefrorene Milch sollte nur langsam aufgetaut werden (keinesfalls in der Mikrowelle)! Bei den Fohlen sollte man immer im Alter von etwa 24 Stunden überprüfen, ob sie genügend Kolostrum erhalten haben, indem man den Antikörperstatus im Blut mit einem Schnelltest (IgG-Antikörperbestimmung) überprüft. Dann weiß man, ob man auf der sicheren Seite ist oder ob man lieber noch Hyperimmunserum infundieren sollte.  Ich bedanke mich bei Frau Prof. Dr. Christine Aurich für die nette Unterstützung!

Hiermit ergehen der Aufruf und die Bitte an alle aktiven Züchter, Biestmilchreserven von gesund abfohlenden Stuten für Notfälle (z.B. Tod der Stute bei der Geburt, Laufenlassen der Biestmilch vor der Geburt etc.) abzumelken und einzufrieren.

 

3. Tierärztliche Notfallmassnahmen
Im Notfall müssen durch den Tierarzt sofortige Hilfemaßnahmen ergriffen werden, um einem verwaisten und / oder lebensschwachen Fohlen eine reelle Überlebenschance zu bieten.

Snapfoalboxa) IgG-Antikörperbestimmung
Bei Verdacht auf eine ungenügende Kolostrumversorgung, sollte zur Bestimmung der Konzentration von Antikörpern im Blut des Fohlens ein Immunglobulintest (IgG-Antikörpertest) gemacht werden. Bei Bedarf kann der Test sofort durchgeführt werden. Nähere Infos bietet dieser Folder unter  www.idexx.de
Hat ein Fohlen im Test zu niedrige Werte sind weitere Maßnahmen zu ergreifen:

Hypermuneb) Hyperimmunserum
Hyperimmunserum ist ein mit Antikörpern angereichertes, aus Pferdblut gewonnenes Serum, welches dem Fohlen über Infusionen verabreicht wird. Das Hyperimmunserum versorgt das Fohlen mit lebensnotwendigen Antikörpern und ersetzt somit die lebenswichtigen Abwehrstoffe, die im Normalfall durch die Aufnahme der Kolostralmilch empfangen werden.

Zylexisc) Paramunitätsinducer
Bei einem Paramunitätsinducer handelt es sich um ein mittels Injektion zu verabreichendes Medikament, welches die körpereigene Abwehr unterstützt. Es ersetzt keineswegs die Antikörperversorgung durch das Hyperimmunserum, sollte jedoch als wertvolle zusätzliche Unterstützung des Immunsystems verabreicht werden.

Pavo Milchersatz - Pavo Biestmilch
Dieses Produkt enthält keine pferdespezifischen Antiköper, ist aber dennoch als wertvolle und unterstützende Maßnahme für das Immunsystem und die Entwicklung zu sehen. Es sorgt auf natürliche Weise für den Aufbau von Abwehrkräften und Vitalität und hilft durch die Unterstützung des Verdauungsapparates, Durchfall zu vermeiden. Gleichzeitig stellt es die erste wertvolle oral aufzunehmende Nahrung für das neugeborene Fohlen dar.